Flyer Liste Becker


Maring-Noviand ist mehr als ein Ort an der Mittelmosel. Es ist Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft. Umlaufberge, Weinberge, Felder, Winzerhöfe, Wohnhäuser und zahlreiche historische Denkmäler prägen bis heute seinen unverwechselbaren Charakter. Diese Landschaft ist nicht nur eine schöne Aussicht, sondern unsere Heimat, Grundlage unserer Identität und unser Lebensumfeld.
Was einmal verloren geht, lässt sich nicht wiederherstellen.
Ein Ort zum Leben
In Maring-Noviand lebt man gerne. Bürgerinnen und Bürger bringen Kreativität und Unternehmergeist ein und gestalten das Gemeindeleben aktiv mit. Das zeigt sich in hoher Lebensqualität, einer starken Gemeinschaft und guten Angeboten für Menschen jeden Alters. Bildungsangebote wie die Waldprojektgruppe des Kindergartens und das zertifizierte „grüne Klassenzimmer“ fördern das Bewusstsein für Natur und Umwelt. Regionale Betriebe stehen für gute Arbeit und verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Landschaft. Das zeigt, welches Potenzial bereits in unserem Ort steckt.

Ein Gewerbegebiet?
Seit einigen Jahren wird ein 62 ha großes Gewerbegebiet als Chance dargestellt. Das Projekt wird als „Gewerbepark“ beschrieben und mit ökologischer Verantwortung, wirtschaftlicher Stärke und einer besseren Versorgung der Gemeinde begründet. Entscheidend ist jedoch, ob diese Versprechen tatsächlich nachhaltig und sinnvoll sind. Sieben zentrale Gründe sprechen dagegen:
- Dauerhafter Eingriff: Ein Gewerbegebiet dieser Größe würde den Ort dauerhaft prägen, die gewachsene Kulturlandschaft zerstören und andere Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinde verbauen.
- Bodenversiegelung: Jeder unversiegelte Quadratmeter Boden hat für uns und künftige Generationen einen hohen Wert für Kaltluftentstehung und Klimaschutz. Großräumige Versiegelung vernichtet dauerhaft landwirtschaftliche Nutzfläche und Lebensräume für Flora und Fauna.1
- Verlust des Landschaftsbildes: Das Gewerbegebiet würde unser Dorf dominieren und seine Wahrnehmung verändern. Das außergewöhnlich schöne Landschaftsbild, das Einheimische und Gäste schätzen, würde einem austauschbaren Gewerbestandort weichen.
- Offene Fragen zur Umsetzung: Der versprochene Branchenmix und das ökologische Konzept sind nicht garantiert und bergen erhebliche Risiken. Welche Unternehmen sich ansiedeln, hängt von den Marktbedingungen und den Investoreninteressen ab. Höhere Gründungs- und Erschließungskosten aufgrund des gestörten Baugrunds sind zusätzliche Standortnachteile.
- Einnahmen und Kosten im Ungleichgewicht: Verlässliche Gewerbesteuereinnahmen sind nicht garantiert, während Folgekosten für Infrastruktur dauerhaft bei der Gemeinde lägen. Von den Gewerbesteuereinnahmen verbleiben nach Abzug der Gewerbesteuerumlage an den Landkreis und die Verbandsgemeinde lediglich 24,28 %.2 Aus diesem kleinen Anteil muss die Gemeinde ihre Kosten decken können.
- Kein Selbstläufer – zwei Beispiele: Die Erweiterungsfläche Andel II des Gewerbegebietes im Bernkastel-Kueser Stadtteil Andel umfasst ca. 6,8 ha mit 13 Bauplätzen – nur 2 sind reserviert, 6 freie Bauplätze mit ca. 18.853 m² sind verfügbar.3 Der Verkauf der bereits erschlossenen Grundstücke im Gewerbegebiet Andel verlief bisher sehr zaghaft.4 Das 18,7 ha große Industriegebiet Wittlich III Nord ist seit 2022 erschlossen. Bisher haben sich nur 2 Betriebe angesiedelt, rund 19 Grundstücke sind noch unverkauft.5
- Fachkräftemangel: Das Handwerk in der Region Trier sucht schon heute händeringend Fachkräfte und Auszubildende. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter bis 2040 voraussichtlich um 25.000 sinken.6

Unser Recht
Der Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde zeigt nur Möglichkeiten auf, schafft aber kein Baurecht. Baurecht entsteht erst, wenn eine Ortsgemeinde einen Bebauungsplan aufstellt. Dabei kann sie – wie die Mehrheit des Gemeinderats Maring-Noviand – zu einer anderen Bewertung gelangen. Verbindliche Bürgerentscheide sind im Bauleitverfahren ausgeschlossen.7
Bei der Aufstellung eines Bebauungsplans müssen private und öffentliche Belange sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Dazu gehören Kulturlandschaft, Lebensqualität, Verkehr, Infrastruktur, Gemeindefinanzen und wirtschaftliche Entwicklung. Diese Aufgabe liegt bei den gewählten Ratsmitgliedern – sie wurden beauftragt, Entscheidungen für die Zukunft unseres Dorfes zu treffen.
Gemeinsam Verantwortung tragen
Die Erfahrung vieler Kommunen zeigt: Nachhaltige Entwicklung entsteht weniger durch Unternehmen von außen und erhoffte Mehreinnahmen. Sie erwächst vor allem aus lokalen Initiativen, Betrieben und engagierten Menschen sowie aus dem Bewusstsein, die Angebote vor Ort zu nutzen und zu unterstützen.
Solide Gemeindefinanzierung benötigt keine überdimensionierten Flächen! Für die finanzielle Stabilität sind vor allem verlässliche Einnahmen wichtig: der Anteil an der Einkommensteuer und die Grundsteuer. Sie sind deutlich stabiler als die oft schwankende Gewerbesteuer. Unter Bürgermeister Klaus Becker wurde der Haushalt – trotz erheblicher Investitionen in die Straßenerneuerung, die LED-Umrüstung und die Sanierung des Bürgerhauses Maring – konsolidiert. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 110 Euro je Einwohner, gegenüber einem Landesdurchschnitt von 586 Euro.8
Oft hören wir: Maring-Noviand brauche das Gewerbegebiet für die Zukunft. Aber für was genau – und warum reichen die bestehenden Einnahmen dafür nicht aus? Diese Frage bleibt unbeantwortet.

Entwicklung mit Maß
Die Zukunft unseres Ortes hängt nicht von einem 62 ha-Gewerbegebiet ab. Maring-Noviand kann sich durch mehrere kleinere, aufeinander abgestimmte Schritte weiterentwickeln:
- Eine moderate Wohnbauentwicklung, die Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen Wohnraum bietet
- Kleinere, passende Gewerbeflächen für örtliche Betriebe (Innen- vor Außenentwicklung)
- Ausbau des sanften Tourismus, etwa durch Wohnmobilstellplätze oder naturnahe Angebote
- Projekte, die Freizeit, Kultur und Lebensqualität stärken – von Rad- und Wanderangeboten bis zur Nutzung der Römerkelter für Veranstaltungen
Eine solche Entwicklung verteilt Chancen auf verschiedene Bereiche, schafft unabhängig voneinander wirkende Einnahmequellen und reduziert wirtschaftliche Risiken. So bleibt unsere Gemeinde steuerbar, anpassungs- und handlungsfähig – im Einklang mit Landschaft, Dorfbild und gewachsenen Strukturen.
- ✅ Wir sagen Ja zu einer Zukunft, die zu Maring-Noviand passt.
- ✅ Ja zu einem Dorf, das seinen Charakter bewahrt.
- ✅ Ja zu einer Landschaft, die nicht nur Kulisse, sondern Lebensgrundlage ist.
- ✅ Ja zu einer Entwicklung, die Chancen schafft – ohne großflächige Versiegelung.

Quellenangaben
- Umweltbundesamt, umweltbundesamt.de
- Haushaltsplan 2025, S. 37
- www.kip.net
- Haushaltssatzung und Haushaltsplan Stadt Bernkastel-Kues 2026
- Trierischer Volksfreund, 21.01.2026
- IHK/HWK Trier, November 2023
- § 17a Abs. 2 GemO RLP
- Haushalt Ortsgemeinde